Ein frischer Blick auf Konfliktmuster in der Führung

Im letzten Modul unserer systemischen Ausbildung im Dezember ging es um das Coaching von Teams und Führungsteams. Ein lebendiger, intensiver und wachstumsreicher Baustein, in dem die Teilnehmenden aktiv in die Rolle der internen (Führungs-)Teambegleitung gingen und an konkreten Fällen übten, einzelne Sequenzen im Teamingprozess durchzuführen und sich zu supervidieren.

Konflikte – Haltung und Muster

Ein besonderes Fokusthema war das Thema Konflikt. Die Teilnehmenden stellten ihre eigene Haltung zu Konflikten auf und reflektierten an eigenen Praxisfällen Konfliktmuster in ihren Organisationen, sowie die nächsten Schritte der bewussten Eskalation oder Deeskalation.

Nach Klaus Eidenschink, Systemiker, Organisationsberater und Konfliktkoryphäe beschreibt die Kunst des Konflikts „die Fähigkeit, sinnvolle Konflikte zu eröffnen, nutzlose zu beenden und die restlichen klug zu regulieren – nach dem Motto: Wenn man weiß, wie man einen Konflikt schüren kann, kann man auch lernen, ihn zu beruhigen.“

Diese Haltung verschiebt die Perspektive in Organisationen und ist daher so wirksam. Konflikte nicht mehr zu verstehen als „Ich muss sie zwingend lösen, Kompromisse finden“ oder sich gar von ihnen fernzuhalten, weil man bisher nicht gelernt hat mit ihnen umzugehen. Und hier beginnt sie, die neue Denke im Umgang mit Konflikten. Von Eidenschink haben wir (unter Anderem) zwei wesentliche Sätze gelernt, die gerade für Führungskräfte und Entscheider in Organisationen relevant (und entlastend) sind:

⇒ Konflikte gilt es nicht zu lösen, sondern zu regulieren.

⇒ Konflikte tauchen dort auf, wo Sinn neu ausgehandelt werden muss.

Wie ein Brennglas zeigen Konflikte auf, an welchen Stellen der Organisation Sinn neu ausgehandelt werden soll. Das ist ihre Ressource: sie zeigen das Entwicklungspotential in Organisationen. Wo man Konflikte reguliert anstatt sie zu lösen, dürfen sie sich soweit entfalten, dass sie sich im Ganzen zeigen und über die Konfliktmuster besprechbar und damit auch aushandelbar werden.

Und wie immer in der Führung beginnen die Konfliktmuster bei einem selbst und der eigenen Haltung. Wie ich selbst gegenüber Konflikten aufgestellt bin, ob ich sie aktiv angehe oder ihnen ausweiche, wie mein Körper in Konfliktsituationen automatisch reagiert – all das sind Ansatzpunkte dem eigenen Konfliktmuster näher zu kommen.

Selbstcheck Haltung und Selbststeuerung im Konflikt:

  • Wie bin ich mit Konflikten und dem Umgang damit groß geworden?
  • Was habe ich durch meine Lebenserfahrung über Konflikte gelernt? Wie ist meine Einstellung Konflikten gegenüber heute?
  • Welches innere Programm läuft bei mir körperlich ab, wenn ich im Konflikt bin?
  • Wie steuere ich mich und dieses innere Programm bewusst, wenn mich ein Konflikt stresst

Impulsfragen zu aktuellen, eigenen Konfliktthemen:

  • Welche Themen sollen mit diesem Konflikt ausgehandelt werden?
  • Welche Dynamiken sind zu beobachten?
  • Soll der Konflikt eskaliert werden, um in seiner ganzen Tragweite auf den Tisch zu kommen? Oder deeskaliert, um die Risiken einzugrenzen und in die Aushandlung zu gehen?

Sie fragen sich vielleicht, warum wir ausgerechnet dieses Thema zum Auftakt eines neuen Jahres nutzen. Wir finden: es ist dran. Da Konflikte zum Leben gehören, dient das Wissen um sie uns allen. Sie zeigen auf, wo Altes nicht mehr greift und neue Ordnungen ihre Stabilität finden wollen. Und wo neue Wege gegangen werden wollen, braucht es auch das Aufbrechen alter Strukturen und Muster.

In diesem Sinne: ein kraftvolles, gelingendes und gesundes neues Jahr uns allen.

Möchten Sie noch tiefer in das Thema einsteigen? Dann schauen Sie sich gerne hier eine Leseprobe unseres Buchs an.

Oder möchten Sie sich als Führungskraft oder Organisationsgestalter systemisch fundiert ausbilden lassen? Für unseren neuen Durchgang in 2024 haben wir noch freie Plätze: zu unserem Systemischen Curriculum.

 

Quelle: Eidenschink, Klaus (2023): Die Kunst des Konflikts. Heidelberg. Carl Auer Verlag

Photocredit: Ray Bilcliff, pexels